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DR. CORNELIA RIECHERS
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Statt ex und hopp
zum neuen Job

Aus: Personalwirtschaft 4/1998 vom April 1998
Von Dr. Cornelia Riechers

Weil die Entlassung von 80 vorwiegend älteren Service-Technikern nicht deren berufliches Ende sein sollte, entwickelte Siemens Nixdorf mit der Personalberatung Dr. Cornelia Riechers ein Programm, um den Betroffenen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zu helfen. Bewerbertraining mit Seminaren und Einzelgesprächen führten zum Erfolg.

Ende 1996 stand die Entscheidung fest: Personalabbau. Wegen der schwierigen Konkurrenzsituation in der EDV-Branche musste Siemens Nixdorf die Mitarbeiterzahl im Service-Bereich deutlich reduzieren. 80 Service-Techniker würden ihren Arbeitsplatz verlieren. Damit standen alle Beteiligten vor schwerwiegenden Problemen. Die Möglichkeiten, ältere Angestellte in den Vorruhestand zu schicken, waren bereits ausgeschöpft. Betroffen waren jetzt langjährige Mitarbeiter im Alter von Mitte Vierzig bis Mitte Fünfzig.

Gemeinsame Lösung

"Wir wollen niemanden in die Arbeitslosigkeit entlassen," sagte Franz Caron, Personalleiter der SNI-Niederlassung Düsseldorf. Personalabteilung und Betriebsrat suchten gemeinsam nach einer Lösung. Absicherung der ausscheidenden Mitarbeiter war das vorrangige Ziel. Viele von diesen hatten schon bei Siemens gelernt. Wie sollten diese Mitarbeiter auf dem heutigen Arbeitsmarkt eine neue Stelle finden, wo auf jedes Stellenangebot Hunderte von - meist jüngeren - Bewerbern kommen? Erfahrung mit dem Schreiben von Bewerbungen hatte fast niemand.

Dass die meisten dennoch nahtlos den beruflichen Anschluss fanden, liegt an dem ungewöhnlichen Beratungsangebot, das die Mitarbeiter für die Bewerbung um eine neue Stelle fit machte. In enger Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Personalberatung Dr. Cornelia Riechers entwickelte Siemens Nixdorf ein Programm, um die Mitarbeiter in dieser schwierigen und für viele ganz neuen Situation zu unterstützen.

Vertrauen schaffen

Verständlicherweise machten sich die Mitarbeiter große Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Folgerichtig bestand der erste Schritt darin, ihnen die Angst vor der Neuorientierung auf dem Arbeitsmarkt zu nehmen. Freisetzungen sollten nur auf freiwilliger Basis - im Einvernehmen mit dem Betroffenen - durchgeführt werden.

Um das notwendige Vertrauen zu schaffen, präsentierten Cornelia Riechers und ihr Team das Beratungskonzept, noch bevor die Mitarbeiter ihre Aufhebungsverträge unterschrieben hatten. Unmittelbar nach dem ersten Trennungsgespräch konnten die Mitarbeiter in sogenannten "Schnupperveranstaltungen" offen über Ängste reden und sich umfassend informieren. Erst danach entschieden die Betroffenen, ob sie das Aufhebungsangebot inklusive Beratung annehmen wollten.

"Viele gut gemeinte Beratungsangebote kranken daran, dass die Mitarbeiter im Vorfeld nichts Handfestes darüber erfahren," weiß Cornelia Riechers aus Erfahrung. "Mit den Schnupperveranstaltungen hat Siemens Nixdorf dieses Problem vorbildlich gelöst und so für eine hohe Akzeptanz gesorgt." Schon bei diesen Informationstreffs wurde konkrete Hilfestellung abgefragt. Mit einem Teilnehmer erarbeitete der Berater direkt im Anschluss an die Schnupperveranstaltung die Bewerbungsunterlagen für ein aktuelles Stellenangebot – und der Kandidat erhielt den gewünschten Job.

Schwieriger Arbeitsmarkt

"Oft scheitern Bewerbungen heute an Formalien. Denn vielen Leuten fehlen Erfahrung und Kenntnisse, um sich zeitgemäß und marktgerecht zu bewerben", sagt Cornelia Riechers. Auch wenn der Bewerber über gute Fachkenntnisse verfügt, hat er mit einer nichtssagenden Bewerbung keine Chance. Die Konkurrenz ist einfach zu groß. Hier setzte das Bewerbertraining an: In zweitägigen Gruppenseminaren gab es konkrete Tipps und Orientierungshilfen für die Praxis. Die Bandbreite reichte vom Anfertigen des Bewerbungsanschreibens und Lebenslaufs über das Zusammenstellen der Bewerbungsmappe bis hin zur Kleidung und zum Verhalten bei Vorstellungsgesprächen.

Das Feedback der Teilnehmer war ausgesprochen positiv. Dabei fanden sie vor allem drei Aspekte besonders interessant: die zeitgemäße Gestaltung der Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben), die Quellen zum Auffinden von Zielgruppen möglicher Arbeitgeber sowie die „Inventur der persönlichen Stärken und Schwächen“. Und das hat den Teilnehmern Spaß gemacht:

  • Eigene Eigenschaften beurteilen, Erfolge protokollieren (Argumentationshilfe),
  • mich selber aus der Sicht Außenstehender kennen lernen,
  • Marketing für sich selbst.

Gruppenseminare und individuelle Hilfe

Doch das Angebot ging über Gruppenseminare hinaus. Das Beraterteam von Dr. Cornelia Riechers bot am individuellen Bedarf der Mitarbeiter orientierte Einzelgespräche an. Hier konnten die Teilnehmer ihre persönliche Bewerbungsstrategie mit dem Berater entwickeln. Hier einige typische Fragen: Wie beantworte ich diese Stellenanzeige? Wo finde ich noch mehr Informationen über meine potenziellen Arbeitgeber? Soll ich ein vorliegendes Vertragsangebot annehmen, auch wenn das Gehalt niedriger ist als bisher?

Auf aktuelle Problemstellungen – wie Stellenangebote, die schnell beantwortet werden müssen – reagierten die Berater flexibel. Sie nahmen individuelle Termine wahr oder berieten die Teilnehmer telefonisch; dabei wurden die notwendigen Unterlagen per Fax ausgetauscht.

Cornelia Riechers führt den Beratungserfolg vor allem auf diese Einzelgespräche zurück. Die Personalberaterin: "Oft brachten sie den entscheidenden Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern. Vor allem auch deshalb, weil nicht mit festgesetzten Terminen gearbeitet wurde, sondern das Einzelgespräch im konkreten Bedarfsfall von den Mitarbeitern in Anspruch genommen werden konnte."

Mehr als Bewerbungstechnik

Es ging jedoch nicht nur um das Vermitteln von Bewerbungs-Know-how. Zu Beginn hatten viele Mitarbeiter bereits resigniert. Die vorherrschende Einstellung lautete: "Wer nimmt mich denn noch mit 51?" Hier galt es, sensibel auf Gefühle und Ängste einzugehen, Mut zu machen und den Bewerbern zu zeigen, dass auch über 50-Jährige am Arbeitsmarkt durchaus noch Chancen haben. Vorausgesetzt, sie packen es richtig an.

Viele Teilnehmer fanden durch das Seminar überhaupt erst den Mut, sich zu bewerben – nachdem sie beim Arbeitsamt häufig die Auskunft erhalten hatten, in ihrem Alter sei das aussichtslos. Auch das Gruppenerlebnis, die Erfahrung, dass es Anderen auch nicht besser geht, stärkte das Selbstbewusstsein. Auf die Frage „Wie werden Sie die Ergebnisse praktisch umsetzen?“ antwortete ein Teilnehmer: „Meine Bewerbung selbstsicherer formulieren.“

Mit 50 nicht zum alten Eisen

Der Erfolg gab den Beratern recht. Von 20 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren fanden innerhalb von sechs Monaten 7 eine neue Anstellung, und 4 machten sich selbständig. Ein weiterer bewies durch seine Teilnahme an einer Vollzeit-Fortbildung (mit der festen Zusage eines Arbeitgebers, ihn danach einzustellen), dass auch die Lernbereitschaft mit Ende 40 noch nicht verschüttet ist. Die restlichen 8 fühlen sich inzwischen fit genug, um aus ihren bestehenden Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern einen Anstellungsvertrag zu erwirken - wenn sie denn wollen. Denn einige sind dabei, die sich inzwischen doch überlegen, ob sie sich nicht mit ihrer Abfindung zur Ruhe setzen.

Vorteile für alle Seiten

Indem Personalleitung und Betriebsrat kompetente Berater ins Haus geholt haben, konnte ein Vakuum gefüllt werden, in das sich bisher keiner so recht hineingetraut hat. Schließlich handelt es sich bei Entlassungen um eine höchst unangenehme Situation, die meist von Handelnden wie auch Betroffenen totgeschwiegen wird. Durch das Beratungsangebot gab es auf einmal einen unparteiischen Dritten, der sich der von Entlassung bedrohten Mitarbeiter annahm und ihnen individuelle Hilfestellung für die berufliche Neuorientierung bot. Dass es sich gelohnt hat, zeigt der Erfolg. Denn von den Bewerbern um und über 50 hätte wohl kaum einer auf den üblichen Wegen eine neue Stelle gefunden, sind Betriebsrat und Personalleitung überzeugt.

  • Nachtrag der Autorin: Zwei Monate nach Erscheinen des hier zitierten Presseberichts hat noch ein weiterer Teilnehmer eine neue Anstellung gefunden. Damit erhöht sich die Zahl der erfolgreich gelösten Fälle auf 13 (acht Neuanstellungen, vier Existenzgründungen, eine Neuanstellung nach Fortbildung).

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